Lebenslauf Dr. Astrid Schwarz

Ich reite seit meinem 14. Lebensjahr. Angefangen habe ich über Schulfreunde, die mich zum Stall mitgenommen haben. Ich bin dann ein Jahr geritten, ohne dass meine Eltern bescheid wussten, habe fast jeden Nachmittag im Reitstall verbracht. Durch Sägespäne schaufeln, füttern und ausmisten habe ich mir das nötige Kleingeld für die Reitstunden verdient. Als ich mich mit 15 zur Lizenzprüfung anmelden wollte, musste ich meine Eltern dann doch fragen und habe sie einfach mal eingeladen, mir beim Reiten zuzuschauen. Sie waren völlig erstaunt, konnten es gar nicht fassen. Die Prüfung habe ich bestanden. Mein Vater war sehr begeistert und hat mir danach gleich mein erstes Pferd gekauft.

Astrid Schwarz an einem Kärtner See
Wie mein erstes Pferd aussah? Die schwarze Stute war ein ungarisches Tschikoschpferd, das sogar einige Kunststücke beherrschte, sich hinlegen konnte, beim Aufsteigen hinkniete und gestiegen ist. Es war ein sehr verrücktes Pferd. Sie wollte weder geputzt noch gesattelt werden, kein anderer Reitschüler konnte sie satteln, geschweige denn reiten. Daher habe ich sie bekommen, weil ich irgendwie mit ihr umgehen konnte. Es war meine erste große Liebe. Leider hat sie einen bleibenden Sehschaden erlitten und stand dann viele Jahre nurmehr auf der Weide.

Danach habe ich wieder ein Warmblutpferd bekommen, diesmal einen Wallach. Magister war ein ungarischer Schimmel, der beim Springen offenbar mit jedem Reiter vor mir spätestens beim dritten oder vierten Hindernis gestoppt hatte. Gut, dass ich davon nichts wusste. Wir haben ganz gut harmoniert und auch einiges zusammen geleistet.


Als es darum ging, einen Beruf zu ergreifen, habe ich zunächst Humanmedizin studiert. Anatomische Sezierübungen an toten Körpern haben mich aber dann sehr schnell abgestoßen. Dann fasste ich den Entschluss, aus meinem Hobby einen Beruf zu machen und Pferde-Doktor zu werden.

In Wien studierte ich dazu an der veterinärmedizinischen Universität zum einen vorklinische Fächer wie Chemie, Physik, Haustierkunde, Anatomie und Biochemie und zum anderen eine Reihe klinischer Fächer wie Innere Medizin, Gynäkologie, Orthopädie sowie Buiatrik (das ist die spezielle Lehre von der Wiederkäuermedizin).

Die spannendste Zeit während des Studiums waren die Auslandsaufenthalte –im niederländischen Ütrecht, im deutschen Hannover, im schwedischen Upsala, und sogar in Dubai. Die Equine Pferdeklinik in Dubai verdient dabei besonderer Erwähnung. Wir waren dort zehn Tierärzte, die für einen Scheich arbeiteten. Dieser Scheich besaß 800 Pferde, die auf acht bis zehn Stallungen verteilt waren. Im Zentrum gab es eine Pferdeklinik mit vier angestellten Tierärzten, die restlichen sechs waren bei den Reitstallungen. Wir hielten Tagwache ab 6 Uhr morgens. (Übrigens so nah am Äquator wird es um 6 Uhr morgens auf einen Schlag hell und auf einen Schlag 12 Stunden später um 18 Uhr auch wieder dunkel, eine seltsame Erfahrung)

Die Scheichs halten fast vorwiegend Rennpferde, englische Vollblüter, außerdem Distanzpferde und eine Reihe von Polopferden. Damit man die Turnierpferde aus den Stallungen auseinanderhalten kann, die gegeneinander laufen, gab es blue stables, red stables, green stables. Im Blue Stable gab es dann zum Beispiel nur blaue Stalldächer, blaues Halfter, blaue Bandagen, blaue Satteldecken und blaue T-Shirts für die Pfleger.

Mittwoch, Freitag und Sonntag Nachmittag gab es Rennen, die richtig zelebriert wurden – mit Pferdevorstellung, Rennen, Siegerehrung und zwischen jedem Durchgang wurde Essen gereicht. Alle Scheichs der Arabischen Emirate ließen dabei ihre Pferde gegeneinander antreten.

Zurück in Wien, schrieb ich nach der Abschlussprüfung für mein Doktorat eine molekulargenetische Dissertation über „Equine ateritis“ (das ist ein Virus, der von Hengsten auf Stuten übertragen wird). Meine Aufgabe dabei war, Samen von Hengsten genetisch zu untersuchen und so das Virus zu detektieren. Dazu habe ich Vergleiche in den Genbanken von USA und Europa durchgeführt. Nach dem Auffinden von Virusträgern unter den Pferden habe ich den Virus klassifiziert und typisiert.

Mein Leben heute besteht aus der Arbeit mit meiner mobilen Tierarzt-Praxis (in der ich zusätzlich zu den allgemeinärztlichen Untersuchungen auf die Gebiete Osteopathie und Akupunktur spezialisiert bin), ergänzt durch die Tätigkeit als Reittrainer für Dressur, Turnierbetreuer für meine Schützlinge und Turniertierarzt.

Und was mache ich privat? Ich kümmere mich um meine eigenen Pferde...